Tanz und Faschismus

Themen · Tanzlexikon

Tanz und Faschismus

Die gesellschaftspolitische Situation veränderte sich mit der Machtübernahme Adolf Hitlers 1933 in allen Bereichen des Lebens in Deutschland.

1932–2002Zeitraum
3Choreographien
5Personen
5Filme

Über das Thema

Die gesellschaftspolitische Situation veränderte sich mit der Machtübernahme Adolf Hitlers 1933 in allen Bereichen des Lebens in Deutschland. Auch der Tanz konnte sich dem Sog des nationalsozialistischen Regimes nur in Einzelfällen entziehen. So kreierte Mary Wigman für die Olympischen Spiele 1936 eine Choreographie mit 80 Tänzerinnen. Anschließend fiel sie jedoch aus der Gunst der Machthaber, erhielt keine Förderung mehr für ihre Schule und musste Dresden verlassen. Rudolf von Laban verhandelte jahrelang mit den Leitern des nationalsozialistischen Kulturapparates. Doch auch er fiel in Ungnade. Seine Schule wurde geschlossen, er emigrierte. Kurt Jooss wurde verfolgt, weil er sich weigerte, sich von seinem Komponisten Fritz Cohen zu trennen, der jüdischer Herkunft sein sollte. Gret Palucca war zunächst von den Nationalsozialisten gern gesehen, wegen der „unbändigen Lebensfreude“, die ihre Tänze ausstrahlten. Doch 1939 wurde ihr die Schulleitung untersagt, weil sie jüdische Lehrkräfte beschäftigte. Das Regime bemächtigt sich den ästhetischen Errungenschaften des Ausdruckstanzes durch einen schleichenden Prozess der Umdeutung seiner Werte. Aus der Gemeinschaft wurde die Volksgemeinschaft. Aus der Gleichberechtigung von Mann und Frau im Tanz wird die aufopfernde Haltung weiblicher Tänzerinnen und der heroische, kampfbereite Tänzer. An Stelle der Improvisation als freiheitliche Vorraussetzung für choreographische Arbeit wird die Gleichschaltung von Bewegung, die Einheitlichkeit der Linie und der geordnete Aufmarsch der Gruppen. Der weit entwickelte Laientanz lässt sich weitgehend für effektvolle Massenchoreographien missbrauchen. Alles Experimentelle wird eliminiert, jeglicher Individualismus diffamiert. Der Tanz dient dem Volk. Abstrakte, groteske und freiheitliche Tanzgestaltung wird als entartete Kunst gebrandmarkt und verboten. Durch die Flucht vieler Tänzer und Choreographen verbreitet sich der „German Dance“ in die ganze Welt. Insbesondere in Nord- und Südamerika, Palästina, aber auch in England und in Osteuropa hinterlässt er Spuren seiner freiheitlichen Gesinnung und seines hohen ästhetischen Niveaus. (Heide-Marie Härtel)

Choreographien

Menschen und Verbindungen

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