Biografie
Wigman (eigentlich Karoline Sofie Marie Wiegmann) studierte drei Jahre bei Emile Jaques-Dalcroze in Hellerau bei Dresden. In dieser Zeit sah sie Ausstellungen der Künstlervereinigung „Die Brücke“ mit Bildern von Ernst Ludwig Kirchner, Emil Nolde und Max Pechstein. Mit diesen Künstlern entwickelte sich bald ein reger Austausch, denn die expressiven Formen und Farben der Expressionisten gefielen ihr. Sie wollte sich in die Ekstasen ihrer wilden Malerfreunde hineintanzen und fühlte sich dem „Harten“ und „Grellen“ ihrer Bilder verwandt. Ihre frühen Tänze waren oft ohne Musik. 1913 besuchte sie Rudolf Laban auf dem Monte Verità bei Ascona in Italien und wurde dort und später in Zürich seine Schülerin und Assistentin. Nach ersten Solotänzen 1914 in München und 1917 in Zürich unternahm sie eine Tournee durch Deutschland. 1920 gründete sie zusammen mit Berthe Trümpy die Wigman-Schule in Dresden, 1930 folgten Zweigstellen in anderen Städten wie New York. Während der Naziherrschaft nahm sie 1936 an den Olympischen Spielen teil. Von 1930 bis 1941 war ihr Lebensgefährte, der Siemens-Manager Hanns Benkert, ihr Manager. Im Hinblick auf ihre Haltung zum Nationalsozialismus wird ihr Werk kontrovers diskutiert. „Wie viele Künstler und Intellektuelle ihrer Zeit musste sie sich den Forderungen und Vorgaben der nationalsozialistischen Regierung unterwerfen. Aufgrund ihrer jüdischen Herkunft und ihrer modernen, avantgardistischen Tänze wurde sie von der nationalsozialistischen Propaganda als ‚entartet‘ eingestuft und ihre Arbeit verboten. Wigman konnte jedoch ihre Karriere fortsetzen, indem sie sich den Forderungen der Regierung anpasste und ihre Tänze der Ideologie des Nationalsozialismus anpasste. Sie war Mitglied der nationalsozialistischen Künstlervereinigung ‚Kraft durch Freude‘ und unterhielt enge Beziehungen zu hochrangigen Mitgliedern der NSDAP. Es gibt jedoch auch Stimmen, die behaupten, dass sie das Regime nicht aktiv unterstützte, sondern sich lediglich anpasste, um ihre Karriere fortzusetzen“1. Nach dem Zweiten Weltkrieg eröffnete sie erneut Schulen in Leipzig und Berlin, wo sie die Arbeit vieler Tänzerinnen und Tänzer prägte, darunter Yvonne Georgi, Dore Hoyer, Greta Kraus, Harald Kreutzberg, Susanne Linke und Gret Palucca. Oskar Kokoschka sagte, sie habe den Expressionismus in Bewegung gesetzt, und indem sie Emotionen, Gefühle und Befindlichkeiten in Bewegung umsetzte, wurde Mary Wigman zur Wegbereiterin des deutschen Ausdruckstanzes beziehungsweise des „Neuen Deutschen Tanzes“. Die Mary Wigman Stiftung (gegründet 2014 von Hedwig Müller, Frank Manuel Peter und Patricia Stöckemann) mit Sitz im Deutschen Tanzarchiv Köln bewahrt die Aufführungsrechte und den Nachlass der Tänzerin. (Nele Lipp)Lebensstationen
- 1886
Geburt in Hannover
Geboren als Karoline Sofie Marie Wiegmann.
- 1913
Schülerin Rudolf Labans
Begegnung auf dem Monte Verità und spätere Arbeit als Assistentin.
- 1914
Erste Solotänze
Frühe Auftritte in München und später in Zürich.
- 1920
Wigman-Schule Dresden
Gründung der Schule zusammen mit Berthe Trümpy.
- 1930
Internationale Ausweitung
Zweigstellen der Wigman-Schule entstehen, unter anderem in New York.
- 1945
Neuanfang nach dem Krieg
Erneute Schularbeit in Leipzig und Berlin.
- 1973
Tod in Berlin
Mary Wigman stirbt 1973 in Berlin (West).
Ausgewählte Bühnenwerke
Hexentanz
1914/1926 Eine der bekanntesten Choreografien
Totenklage
1936 Choreografie von Mary Wigman
Choreografien
- 1957 Frühlingsweihe (Mary Wigman)
- 1957 Le Sacre du Printemps (Mary Wigman)
- 1953 Chorische Studien II (Mary Wigman)
- 1952 Chorische Studien (Mary Wigman)
- 1952 Beschwingt (Debussy)
- 1950 Drei Chorische Studien (Kessler)
- 1948 Auf der Suche (Kessler)
- 1946 Reigen (Schubert)
- 1943 Carmina Burana (Mary Wigman)
- 1942 Abschied und Dank (Mary Wigman)
- 1939 Danksagung (Musik Hasting)
- 1939 Tanz der Brunhild
- 1937 Herbstliche Tänze (Mary Wigman)
- 1936 Totenklage (Mary Wigman)
- 1935 Schicksalslied (Mary Wigman)
- 1935 Tanzgesänge (Mary Wigman)
- 1934 Abschied / Mütterlicher Tanz (Musik Hasting)
- 1934 Frauentänze (Mary Wigman)
- 1932 Der Weg (Mary Wigman)
- 1931 Opfer (Schwertlied, Tanz für die Sonne, Todesruf, Tanz für die Erde, Klage II, Tanz in den Tod) (Mary Wigman)
- 1930 Das Totenmal (Mary Wigman)
- 1930 Tanz des Leides
- 1929 Pastorale (Mary Wigman)
- 1929 Schwingende Landschaft (Mary Wigman)
- 1929 Seraphisches Lied (Mary Wigman)
- 1928 Chorische Bewegung (Drei Studien)
- 1927 Helle Schwingungen (Mary Wigman)
- 1927 Traumgestalt (Musik Goetze)
- 1927 Die Feier II
- 1926 Hexentanz II (Mary Wigman)
- 1926 Raumgesänge (Mary Wigman)
- 1926 Totentanz (Mary Wigman)
- 1926 Hexentanz (Mary Wigman)
- 1926 Russische Suite II (Mary Wigman)
- 1925 Das Tanzmärchen (Mary Wigman)
- 1925 Zeremonielle Gestalt (Goetze)
- 1925 Verhüllte Gestalt (Goetze)
- 1925 Spukhafte Gestalt (Goetze)
- 1924 Wanderung (Mary Wigman)
- 1924 Die abendlichen Tänze (Mary Wigman)
- 1924 Tanzlied I u. II
- 1923 Skizzen zu einem Tanzdrama (Mary Wigman)
- 1923 Szenen aus einem Tanzdrama (Mary Wigman)
- 1922 Tanzrhythmen II (Mary Wigman)
- 1922 Russische Suite I (Mary Wigman)
- 1921 Suite im alten Stil (Mary Wigman)
- 1921 Totentanz (Bizet)
- 1921 L’Arlesienne (Mary Wigman)
- 1921 Die Feier I (Der Gruß, das Lied, Weihe, Der Bann, Der Ausklang) (Mary Wigman)
- 1921 Totenrhythmen I (Mary Wigman)
- 1921 Die Feier (Mary Wigman)
- 1921 Die sieben Tänze des Lebens (Sehnsucht, Liebe, Lust, Leid, Dämon, Tod, Leben; Musik Pringsheim) (Mary Wigman)
- 1920 Vier Tänze nach orientalischen Motiven (Mary Wigman)
- 1920 Phantasie (Saint-Saëns)
- 1920 Vision (Geräusch-Rhythmik)
- 1920 Tanzsuite (Mary Wigman)
- 1920 Tänze der Nacht (Mary Wigman)
- 1920 Slawische Tänze (Mary Wigman)
- 1919 Tanzlieder / Yaravi (u. a. Granados) (Mary Wigman)
- 1919 Ungarische Tänze (Brahms)
- 1919 Serenada
- 1917 Träume (Mary Wigman)
- 1917 Ekstatische Tänze (Mary Wigman)
- 1917 Gespenstertänze (Mary Wigman)
- 1916 Die bildenden Künste (Die Malerei, Die Plastik, Die Grafik)
- 1919 Maskentänze (Der Tod, Die Wahl, Der Wahn, Der Schrei)
- 1916 Die bildenden Künste (Mary Wigman)
- 1916 Ägyptisches Lied (Mary Wigman)
- 1916 Maskentänze (Mary Wigman)
- 1914 Hexentanz I (Mary Wigman)
- 1914 Lento
- 1914 Groteske
- Magnet (Mary Wigman)
- Drehstudie (Mary Wigman)
- Sommmerlicher Tanz (Mary Wigman)
Filme und Dokumente
Ich will nicht hübsch und lieblich tanzen!
2002
Mary Wigman
1966
Archivbilder








Menschen und Verbindungen

Rudolf von Laban
Mary Wigman war seine Schülerin und Assistentin.

Gret Palucca
Eine der von Mary Wigman geprägten Tänzerinnen.

Dore Hoyer
Stand in der Tradition des deutschen Ausdruckstanzes.

Susanne Linke
Von der Arbeit Mary Wigmans geprägt.
Literatur und Weblinks
- Ralf Beil / Claudia Dillmann (Hg.): „The Total Artwork in Expressionism: Art, Film, Literature, Theatre, Dance and Architecture“, Darmstadt 2011. (Kat.)
- Delius, Rudolf von: „Mary Wigman“, Dresden 1925.
- Gabriele Fritsch-Vivié: „Mary Wigman“, Berlin 1999.
- Laure Guibert: „Danser avec le IIIe Reich: Les danseurs modernes et le nazisme“, André Versaille Éditeur.
- Claudia Gitelmann / Marianne Forster / Catherine T. Klingler: „Liebe Hanya: Mary Wigman’s Letters to Hanya Holm“, Wisconsin 2003.
- Reinhold Rudolf Junghanns: „Aus dem Lande Ur“, Zürich 1949. (Mappe)
- Kurt Linder: „Die Verwandlungen der Mary Wigman“, München 1929.
- Isabelle Launay: „À la recherche d’une danse moderne – Rudolf Laban, Mary Wigman“, CHIRON 1996.
- Susan Manning: „Ecstasy and the Demon: The Dances of Mary Wigman“, Minnesota 2006.
- Rudolf Maack: „Tanz in Hamburg. Von Mary Wigmann bis John Neumeier“, Hamburg 1975.
- Hedwig Müller: „Mary Wigman. Leben und Werk der großen Tänzerin“, Weinheim und Berlin 1987.
- Mary Wigman: „Die Sprache des Tanzes“, (Stuttgart 1963) München 1986.
- Isa Partsch-Bergsohn / Harald Bergsohn: „The Makers of Modern Dance in Germany: Rudolf Laban, Mary Wigman, Kurt Jooss“, Princeton 2003.
- Dee Reynolds: „Rhythmic Subjects – Uses of energy in the dances of Mary Wigman, Martha Graham and Merce Cunningham“, Hampshire 2015.
- Anne Santos Newhall: „Mary Wigman“, Thames/Oxfordshire 2018.
- Walter Sorell: „Mary Wigman: Ein Vermächtnis“, Wilhelmshaven 1986.
- Christoph Stölzl / Stefan Moses (Foto): „Stefan Moses – Die Zeit der Frauen“.
- Sorell, Walter: „Aspekte des Tanzes“, Wilhelmshaven 1983.
- Steinbeck, Dietrich: „Mary Wigmans Choreographisches Skizzenbuch 1930–1961“, Berlin 1987.
Diese Seite enthält aus urheberrechtlichen Gründen nur eine kleine oder keine Auswahl an Videos.
Der vollständige Beitrag ist nach einer Registrierung im Mediawiki zu sehen.


