Biografie
Jooss (auch Khaven Jooss) konzipierte das „Tanztheater“ und prägte den Begriff. Seine Gesellschaftsdramen wie „Der grüne Tisch“ zeigten archetypische Charaktere des Krieges: Tod, Mutter, Soldat – Personen, wie man sie aus Theaterstücken kennt.
Jooss studierte Gesang und Klavier am Konservatorium für Musik in Stuttgart, lernte Rudolf von Laban kennen, nahm Tanzunterricht und folgte ihm nach Mannheim und Hamburg, wo er von 1922 bis 1924 sein Assistent und Solist in seinem Ensemble wurde. Von 1924 bis 1926 war er Ballettmeister und Regisseur an den Städtischen Bühnen Münster. 1925 gründete er dort gemeinsam mit dem ehemaligen Kunststudenten und Laban-Schüler Sigurd Leeder die „Westfälische Akademie für Bewegung, Sprache und Musik“.
Sie wurde zum Modell für die 1927 in Essen gemeinsam mit der Tänzerin Aino Siimola, dem Musiker F. A. Cohen, Leeder sowie dem Bühnen- und Kostümbildner Hein Heckroth gegründete Folkwangschule. Leeder wurde Lehrer für Choreutik, Jooss leitete die Tanzabteilung. 1928 gründete Jooss die „Folkwang-Tanztheater-Studios“ als Gruppe für Tanztheater-Experimente. 1930 übernahm er zusätzlich die Ballettleitung am Essener Opernhaus.
1932 schuf er für den ersten „Deutschen Tanzpreis“ sein berühmtes Ballett „Der grüne Tisch“. Die Musik komponierten Fritz A. Cohen und Will Gotze, die Kostüme entwarf Hein Heckroth, die Halbmasken Hermann Markard. Im selben Jahr gründete Jooss die „Ballets Jooss“. Spätestens seit dem „Grünen Tisch“ thematisierte er in seinen Choreografien die Inhumanität und Korruption von Diktaturen.
1933 emigrierte Jooss wegen der Bedrohung seiner Person und seiner jüdischen Mitarbeiter durch das NS-Regime nach Dartington Hall in Devonshire, England. Dort eröffnete er die „Jooss Leeder School of Dance“. 1940 musste er als „enemy alien“ Dartington Hall verlassen, die Schule schließen und die Ballets Jooss auflösen. Er wurde sechs Monate interniert und reiste anschließend nach Nord- und Südamerika.
Nach dem Krieg kehrte Jooss nach Deutschland zurück, ließ die Ballets Jooss für die englischen Besatzungstruppen tanzen und baute ab 1949 die Tanzabteilung der „Folkwang Hochschule“ weiter auf. (Gabriele Wittmann/Nele Lipp)
Lebensstationen
- 1901
Geburt in Wasseralfingen
Kurt Jooss wird am 12. Januar 1901 in Württemberg geboren.
- 1922
Arbeit mit Rudolf von Laban
Jooss wird Assistent und Solist in Labans Ensemble.
- 1924
Städtische Bühnen Münster
Er arbeitet als Ballettmeister und Regisseur in Münster.
- 1927
Folkwangschule Essen
Jooss gehört zu den Gründern der Folkwangschule und leitet die Tanzabteilung.
- 1932
Der grüne Tisch
Das Werk gewinnt beim Tanzwettbewerb in Paris; im selben Jahr entstehen die Ballets Jooss.
- 1933
Emigration nach England
Jooss und seine Mitarbeiter finden in Dartington Hall eine neue Wirkungsstätte.
- 1949
Rückkehr nach Essen
Jooss baut die Tanzabteilung der Folkwang Hochschule weiter auf.
- 1979
Tod in Heilbronn
Kurt Jooss stirbt am 22. Mai 1979.
Ausgewählte Bühnenwerke
Der grüne Tisch
1932 Antikriegsballett von Kurt Jooss
Großstadt
1932 Choreografie von Kurt Jooss
Pavane auf den Tod einer Infantin
1929 Choreografie von Kurt Jooss
Choreografien
- 1976 Dixit Dominus (Kurt Jooss)
- 1966 Epilog (Kurt Jooss)
- 1965 Der Nachmittag eines Fauns (Kurt Jooss)
- 1965 Phasen (Kurt Jooss)
- 1958 Die Vögel (Kurt Jooss)
- 1958 Poème mélancholique (Kurt Jooss)
- 1958 Die törichten Jungfrauen (Ausstattung: Alexander Sacharoff) (Kurt Jooss)
- 1954 Les petits riens (Kurt Jooss)
- 1953 Märzlied (Kurt Jooss)
- 1953 Der Störenfried (Kurt Jooss)
- 1952 Der Nachtzug (Kurt Jooss)
- 1952 Weg im Nebel (Kurt Jooss)
- 1951 Colombinade (Kurt Jooss)
- 1944 Pandora (Kurt Jooss)
- 1942 Company at the Manor (Kurt Jooss)
- 1943 Pandora (Kurt Jooss)
- 1939 A Spring Tale (Kurt Jooss)
- 1939 Chronica (Kurt Jooss)
- 1935 The Mirror (Kurt Jooss)
- 1935 Die sieben Schwaben (Kurt Jooss)
- 1935 Ballade (Kurt Jooss)
- 1935 To-night (Kurt Jooss)
- 1934 Persephone (Kurt Jooss)
- 1933 Die sieben Helden (Kurt Jooss)
- 1932 Ein Ball in Alt-Wien (Kurt Jooss)
- 1932 Ball in Alt-Wien (Kurt Jooss)
- 1932 Der grüne Tisch (Kurt Jooss)
- 1932 Großstadt (Kurt Jooss)
- 1931 Der verlorene Sohn (Kurt Jooss)
- 1931 Die Geschichte vom Soldaten (Kurt Jooss)
- 1931 Coppelia (Kurt Jooss)
- 1931 Die Puppenfee (Kurt Jooss)
- 1930 Petruschka (Kurt Jooss)
- 1930 Gaukelei (Kurt Jooss)
- 1930 Polowetzer Tänze (Kurt Jooss)
- 1930 Le Bal (Kurt Jooss)
- 1929 Pavane auf den Tod einer Infantin (Kurt Jooss)
- 1929 Seltsames Septett (Kurt Jooss), Masken: Sigurd Leeder
- 1929 Drosselbart (Kurt Jooss)
- 1929 Komplex (Kurt Jooss)
- 1929 Zimmer Nr. 13 (Kurt Jooss)
- 1929 Suite 1929 (Kurt Jooss)
- 1926 Kaschemme (Kurt Jooss)
- 1926 Groteske (Kurt Jooss)
- 1926 Tragödie (Kurt Jooss)
- 1926 Indische Impressionen (Kurt Jooss)
- 1925 Die Brautfahrt (Kurt Jooss)
- 1925 Tanzender Schiwa (Kurt Jooss)
- 1925 Der Dämon (Kurt Jooss)
- 1925 Larven (Kurt Jooss)
- 1924 Grotesker Zweitanz (Kurt Jooss)
- 1924 Marche Militaire (Kurt Jooss)
- 1924 Ein persisches Ballett (Kurt Jooss)
- 1924 Tanz-Suite (Kurt Jooss)
- 1923 Der Zyklop (Solo) (Kurt Jooss)
- 1923 Schwungtanz (Kurt Jooss)
- 1923 Zweitanz (Kurt Jooss)
- 1923 Ballade (Kurt Jooss)
- 1923 Schwank (Kurt Jooss)
- 1923 Dreimännertanz (Kurt Jooss)
Filme und Dokumente
Beweg-Gründe (arte)
2001
3. Tele-Tanzjournal
1997
1. Tele-Tanzjournal
1994
Folkwang Tanz
1993
Ansichten über die Liebe, die Macht und den Tod
1985
Archivbilder








Menschen und Verbindungen

Rudolf von Laban
Jooss lernte bei Laban und wirkte als Assistent und Solist in dessen Ensemble.

Pina Bausch
Pina Bausch studierte an der Folkwangschule und führte das Tanztheater in eine neue Epoche.

Folkwang Hochschule
Jooss gründete und prägte die Tanzabteilung der Folkwangschule in Essen.

Ballets Jooss
Die 1932 gegründete Kompanie machte Jooss’ Tanztheater international bekannt.
Literatur und Weblinks
- Adamson, Andy: „Kurt Jooss: 60 Years of the Green Table“, Birmingham 1992.
- Coton, A. V.: „The New Ballet: Kurt Jooss and His Work“, 2021 (on demand).
- Partsch-Bergsohn, Isa / Bergsohn, Harald: „The Makers of Modern Dance in Germany: Rudolf Laban, Mary Wigman, Kurt Jooss“, Princeton 2003.
- Partsch-Bergsohn, Isa: „Modern Dance in Germany and the United States. Crosscurrents and Influences“, London 1993.
- Pehnt, Wolfgang: „The Total Artwork in Expressionism – Art, Film, Literature, Theatre, Dance and Architecture 1905–1925“, Ostfildern 2011.
- Stöckemann, Patricia: „Etwas ganz Neues muss nun entstehen. Kurt Jooss und das Tanztheater“, München 2001.
- Walther, Suzanne: „The Dance Theatre of Kurt Jooss“, London 2017.
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