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Biografie
Kresnik, ein Pionier des Deutschen Tanztheaters, absolvierte neben einer Handwerkerlehre eine Ausbildung in Schauspiel und Tanz. „Deinen Körper in den Kampf werfen“: Dieses Zitat des italienischen Filmemachers Pier Paolo Pasolini wurde zum Motto des Choreografen Johann Kresnik. Er begann in den 1970er Jahren und entwickelte sich zu einem der führenden Choreografen des Deutschen Tanztheaters. „Kresnik warf dem Klassischen Ballett Harmlosigkeit, inhaltliche Leere und Blindheit gegenüber dem wirklichen Leben vor und wollte mit den Mitteln des Tanzes lieber politische und gesellschaftliche Entwicklungen aufzeigen. Seine Vorbilder waren Jean Weidt, Aurel von Milloss und Maurice Béjart. Kresnik erarbeitete ab 1967 expressive gesellschaftskritische Choreografien und fragte sich in vielen seiner Stücke, wie politisch Kunst und in diesem Zusammenhang der Tanz überhaupt sein kann. Kresnik verlangte von seinen Tänzern, sich darauf einzulassen, physische und psychische Brutalität, Zerstörung und Elend, Leid und Trauer darzustellen. Er arbeitete mit den Künstlern Joseph Beuys (Jesus GmbH), Hans Haake (Ernst Jünger) und ab 1988 (Macbeth) regelmäßig mit dem Maler Gottfried Helnwein zusammen.“ Nele Lipp: „Lexikon zu Tanz und Bildender Kunst“, Bd. I, unveröff. Manuskript Auch mit dem Schriftsteller Christoph Klimke (*1959) kooperierte er. Er illustrierte dessen Dichtungen und choreografierte Texte von ihm. Seine Choreografien entwarf er zunächst zeichnerisch. Kresnik wurde 1960 nach Bremen engagiert. Von 1962 bis 1968 war er in Köln engagiert und tanzte, zum Teil als Solist ein Repertoire, das Ballette von George Balanchine und John Cranko umfasste. 1968 wurde er von Kurt Hübner als Ballettdirektor an das „Bremer Theater“ berufen und schuf nun Werke unter dem Begriff „Choreografisches Theater“, darunter „Kriegsanleitung für Jedermann“ als Reaktion auf den Vietnamkrieg oder seine Version von „Schwanensee“, angesiedelt in der brutalen Welt des kapitalistischen Wettbewerbs. 1977 bis 1982 arbeitete er mit VA Wölfl zusammen. Ab 1979 leitete er das Tanztheater in Heidelberg und begann, Werke zu schaffen, die von Biografien wie der von „Sylvia Plath“ inspiriert waren. Zurück in Bremen schuf er 1990 Meisterwerke wie seine Arbeit über die deutsche Terroristin „Ulrike Meinhof“. 1994 wechselte er an die „Volksbühne“ Berlin. 2003 bis 2008 leitete er das „Choreografische Theater am Staatstheater Bonn tätig. 2011 wurde in Bleiburg (Kärnten/Österreich) das Choreografische Zentrum Johann Kresnik eingerichtet. Kresnik erhielt 1990 den „Theaterpreis Berlin“ und den „Deutschen Kritikerpreis“, 1994 den „Berliner Bären“, 2019 das „Goldene Verdienstzeichen des Landes Wien“ und 2020, posthum, dem Landeskulturpreis Kärnten. (Gabriele Wittmann/Nele Lipp)Lebensstationen
- 1939
Geburt in Bleiburg/Kärnten
Johann Kresnik wird in Bleiburg in Kärnten geboren.
- 1960
Engagement in Bremen
Erstes Engagement am Bremer Theater.
- 1962–1968
Engagement in Köln
Tanzt in Köln, zum Teil als Solist, in einem internationalen Ballettrepertoire.
- 1968
Ballettdirektor in Bremen
Wird Ballettdirektor am Bremer Theater und prägt das Choreografische Theater.
- 1979
Tanztheater Heidelberg
Übernimmt die Leitung des Tanztheaters in Heidelberg.
- 1994
Volksbühne Berlin
Wechselt an die Volksbühne Berlin.
- 2003–2008
Choreografisches Theater Bonn
Leitet das Choreografische Theater am Staatstheater Bonn.
- 2011
Choreografisches Zentrum Johann Kresnik
In Bleiburg wird das Choreografische Zentrum Johann Kresnik eingerichtet.
- 2019
Tod in Klagenfurt
Johann Kresnik stirbt in Klagenfurt.
Choreografien
- 2010 Felix Nußbaum (Autor: Christoph Klimke) (Johann Kresnik)
- 2008 Ring des Nibelungen II (Johann Kresnik)
- 2006 Ring des Nibelungen I (Johann Kresnik)
- 2004 Die zehn Gebote (Johann Kresnik)
- 2004 Hannelore Kohl (Johann Kresnik)
- 2002 Picasso (Johann Kresnik)
- 2000 Intolleranza (Luigi Nono)
- 1999 Nabucco (Giuseppe Verdi)
- 1999 Die letzten Tage der Menschheit (Johann Kresnik)
- 1999 Goya – Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer (Johann Kresnik)
- 1998 Hotel Lux (Johann Kresnik)
- 1997 Antonin Nalpas (Johann Kresnik)
- 1997 Gastmahl der Liebe (Johann Kresnik)
- 1997 Fidelio (Johann Kresnik)
- 1997 Gastmahl (Johann Kresnik)
- 1996 Riefenstahl (Johann Kresnik)
- 1995 Hänsel und Gretel (Johann Kresnik)
- 1995 Gründgens (Johann Kresnik)
- 1995 Othello (Ismael Ivo; Johann Kresnik)
- 1994 Nietzsche (Johann Kresnik)
- 1994 Ernst Jünger (Johann Kresnik in Kooperation mit dem Bildenden Künstler Hans Haake)
- 1993 Francis Bacon (Ismael Ivo; Johann Kresnik)
- 1993 Wendewut (Johann Kresnik)
- 1993 Mars (Ismael Ivo; Johann Kresnik)
- 1992 Zero (Johann Kresnik)
- 1992 Frida Kahlo (Johann Kresnik)
- 1991 König Lear (Johann Kresnik)
- 1990 Ulrike Meinhof (Johann Kresnik)
- 1989 Ödipus (Johann Kresnik)
- 1988 Macbeth (Johann Kresnik)
- 1987 Mörder Woyzeck (Johann Kresnik)
- 1986 Pasolini (Johann Kresnik)
- 1986 Herzlich Willkommen! (Johann Kresnik)
- 1985 Sylvia Plath (Johann Kresnik)
- 1984 Ausverkauf (Johann Kresnik)
- 1982 Sacre (Johann Kresnik mit VA Wölfl)
- 1980 Familiendialog (Johann Kresnik)
- 1978 Magnet (Johann Kresnik mit VA Wölfl)
- 1977 Jesus GmbH (Johann Kresnik mit Joseph Beuys)
- 1977 Massada (Johann Kresnik mit VA Wölfl)
- 1976 Bilder des Ruhms (Johann Kresnik)
- 1975 Romeo und Julia (Johann Kresnik)
- 1974 Die Nibelungen (Johann Kresnik)
- 1973 Traktate (Johann Kresnik)
- 1971 Schwanensee AG (Johann Kresnik)
- 1971 Jaromir (Johann Kresnik)
- 1970 Frühling wurd… (Johann Kresnik)
- 1970 Kriegsanleitung für jedermann (Johann Kresnik)
- 1970 PIGasUS (Johann Kresnik mit dem Lyriker Yaak Karsunke)
- 1970 Ballett-Uraufführung (Johann Kresnik)
- 1969 Susi Creamcheese (Johann Kresnik)
- 1968 Paradies? (Johann Kresnik)
- 1967 O sela pei (Johann Kresnik)
- Kantate (Johann Kresnik)
Filme und Dokumente
Archivbilder
Menschen und Verbindungen
Alle Videosequenzen
Kapitel aus Film
Probe zum Stück
Stückausschnitt
Literatur und Weblinks
- Ackermann, Uta: „Johann Kresnik und sein choreografisches Theater“, Berlin 1999.
- Balk, Claudia / Kraus, Hildegard: „Johann Kresnik – Regie im Theater“, Frankfurt am Main, 1990.
- Klimke, Christoph: „Bernsteinherz, Gedichte mit Zeichnungen von Johann Kresnik“, Düsseldorf 2008.
- Klimke, Christoph: „Flügelschlag. Erzählung mit Zeichnungen von Johann Kresnik“, Düsseldorf 2005.
- Lehmann, Ulrike (Hg.): Johann Kresnik. Choreographische Skizzen und Zeichnungen 1973-1998, Köln 1999. (Kat.)
- Schlicher, Susanne: „TanzTheater. Traditionen und Freiheiten – Pina Bausch, Gerhard Bohner, Reinhild Hoffmann, Hans Kresnik, Susanne Linke“, Reinbek bei Hamburg, 1992.


