Jiri Kylián

Personen · Tanzlexikon

Jiri Kylián

Tänzer; Choreograf; Ballettdirektor

*1947; Prag (Tschechoslowakei)

Kylián, der zunächst Zirkusakrobat werden wollte, trainierte schon mit neun Jahren an der School of National Theatre Prag.

56Choreografien
1Filme
1Videosequenzen
1Archivbilder

Biografie

Kylián, der zunächst Zirkusakrobat werden wollte, trainierte schon mit neun Jahren an der School of National Theatre Prag. Mit fünfzehn Jahren begann er sein Tanzstudium am Prager Konservatorium. Ab 1967 studierte er an der Royal Ballet School in London, wurde 1968 von dort durch John Cranko zum „Stuttgart Ballett“ geholt, wo er bis 1975 viele Rollen tanzte, und zum Choreografieren ermutigt wurde. 1970, nach seinem ersten Pas de deux „Paradox“ schuf er mehrere Stücke für Stuttgart, wie „Kommen und Gehen“ und „Der stumme Orpheus“. Hier traf er auch auf Glen Tetley, dessen Bewegungs- und Raumverständnis ihn tief beeindruckte. 1973 ging er an das Nederlands Dans Theater (NDT, gegründet 1959) in Den Haag, wo er 1978 bis 1999 als künstlerischer Direktor arbeitete und bis 2009 choreografierte. Er war der Gründer das NDT 2 für 17- bis 22jährige und das NDT3 für über 40jährige Tänzer. Kylián, ein intellektueller Choreograf, entwickelte seit Mitte der 1980er Jahre zum Teil abstrakte, auch Schwarz – Weiss – Programm genannte Arbeiten mit choreografischen Strukturen und Bewegungsbildern, die von Surrealismus aber auch vom der Minimal Art beeinflusst waren und mit deren Hilfe er die Psyche des Menschen zu beleuchten versuchte. Seine Stücke sind meist ohne Handlung. Sie vermitteln ihre emotionalen Themen in Subtexten. Schon früh entwickelte er auch einen einzigartigen Humor in der Bewegungsfindung, auch im Zusammenhang mit Objekten wie zum Beispiel Fechtstöcken in „Petite Mort“ oder Karosserieteilen in dem Tanzfilm „CarMen“. Nicht nur Kyliáns Version von „Verklärte Nacht“ zur Originalpartitur von Arnold Schönberg ist hochmusikalisch und in ihren dramatischen Linien und zutiefst psychologisch in ihren Hauptfiguren, deren verworrene Gefühle von verschiedenen Tänzern interpretiert wurden. 1982 bis 1987 entstand durch Initiative von Kylián ein Theaterneubau für das NDT I, II und III. Der Architekt war Rem Koolhaas. 1988 gründete er in Prag die Stiftung Kylián Choreographic Archive zum Erhalt seiner Werke. [https://www.kylianfund.cz Stiftung Kylián Choreographic Archive] Seit 2005 gestaltet er Filme u. a. mit dem Filmemacher und Bildhauer Boris Paval Conen und Fotoprojekte. Kylián erhielt ab 1995 viele große Auszeichnungen, unter diesen den „Goldenen Löwen“ für sein Lebenswerk (Biennale Venedig) und 2017 den „Positano Premia La Danza Léonide Massine Award“ ebenfalls für sein Lebenswerk. 2019 wurde er zum Mitglied der „Académie des Beaux Arts“ in Paris ernannt. (Gabriele Wittmann/Nele Lipp)

Lebensstationen

  1. ab 1967

    Royal Ballet School

    Studium an der Royal Ballet School in London.

  2. 1968–1975

    Stuttgarter Ballett

    Engagement beim Stuttgarter Ballett und erste choreografische Arbeiten.

  3. 1973

    Nederlands Dans Theater

    Wechsel zum Nederlands Dans Theater in Den Haag.

  4. 1978–1999

    Künstlerischer Direktor des NDT

    Künstlerische Leitung des Nederlands Dans Theater.

  5. 1988

    Kylián Choreographic Archive

    Gründung der Stiftung Kylián Choreographic Archive in Prag.

  6. seit 2005

    Filme und Fotoprojekte

    Gestaltung von Filmen und Fotoprojekten.

  7. 2019

    Académie des Beaux Arts

    Ernennung zum Mitglied der Académie des Beaux Arts in Paris.

Choreografien

  • 2017 SCALAMARE (Film, angeregt u. a. durch die surreale Bildwelt des Malers René Magritte)
  • 2014 SCHWARZFAHRER (mit dem Filmemacher Jan Malir)
  • 2013 BETWEEN ENTRANCE & EXIT (mit dem Filmemacher Boris Pavel Cohen)
  • 2011 EAST SHADOW (mit dem Filmemacher Boris Pavel Cohen)
  • 2007 Zugvögel (Film)
  • 2006 CAR MEN (mit dem Filmemacher Boris Pavel Cohen)
  • 2005 Toss of a Dice
  • 2001 Birth Day (Jiri Kylián)
  • 2001 BlackBird
  • 1998 One of a kind
  • 1995 Bella figura (Jiri Kylián)
  • 1995 Arcimboldo (im Bezug zu dem gleichnamigen Maler)
  • 1994 Perfect Conception
  • 1994 Tiger Lily
  • 1994 Kaguyahime (Jiri Kylián)
  • 1994 Die Mondprinzessin Kaguyahime (Jiri Kylián)
  • 1993 Whereabouts unknown
  • 1991 St. Georg
  • 1991 Stepping Stones
  • 1990 Sweet Dreams
  • 1989 Falling Angels (Jiri Kylián)
  • 1988 No more play (nach einer Skulptur von Alberto Giacometti)
  • 1988 Petite Mort
  • 1986 Die Geschichte vom Soldaten (Jiri Kylián)
  • 1986 L´histoire de soldat (Jiri Kylián)
  • 1986 Silent Cries (gewidmet Sabine Kupferberg)
  • 1984 L´ Enfant et les sortileges (Jiri Kylián)
  • 1983 Stamping Ground (angeregt von den Tänzen der Aborigines)
  • 1983 Dreamtime (angeregt von den Tänzen der Aborigines)
  • 1982 Svadebka (Jiri Kylián)
  • 1981 Nomaden (Jiri Kylián)
  • 1981 Forgotten Land (nach dem Gemälde „Lebensfries“ von E. Munch)
  • 1978 Psalmensinfonie (Jiri Kylián)
  • 1978 Sinfonietta (Musik Leos Janácek)
  • 1978 Sinfonie of Psalms (mit dem Bildenden Künstler Bill Katz)
  • 1978 Kinderspiele (nach dem gleichnamigen Gemälde v. Pieter Brueghel d. Ä.)
  • 1977 Ariadne (nach einem Fresko der Villa dei Misteri, Pompeji)
  • 1976 Sinfonie in D (Jiri Kylián)
  • 1976 Nuages
  • 1976 Elegie
  • 1975 Stoolgame
  • 1975 La Cathédrale Engloutie
  • 1974 Return to a Strange Land (gewidmet John Cranko)
  • 1973 Viewers
  • 1976 Nuages (Jiri Kylián)
  • 1972 Der stumme Orpheus (Jiri Kylián)
  • 1971 Kommen und Gehen (Jiri Kylián)
  • 1970 Paradox (Jiri Kylián)
  • Das Kind und der Zauberspuk (Jiri Kylián)
  • Les Noces (Jiri Kylián)
  • A way alone (Jiri Kylián)
  • Hearts Labyrinth (Jiri Kylián)
  • When Time takes Time (Jiri Kylián)
  • Sint Jokis Rijdt Uit† (Jiri Kylián)
  • Quartet (Musik Béla Bartok)
  • Nine eight’s (zu Jazzmusik)

Filme und Dokumente

Literatur und Weblinks

  • Bremser, Martha/Sanders, Lorna (Hg.): “Fifty Contemporary Choreographers”, New York 1999.
  • Guzzo Vaccarino, Elisa: „Jiri Kylian“, Palermo 2001.
  • Lanz, Isabelle: “A Garden of Dance. Jiri Kylián 20 years of Nederlands Dans Theatre”, Amsterdam 2015.

Internetseite von Jiri Kylián

Stiftung Kylián Choreographic Archive

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