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Biografie
Kreuzberg stammte aus einer Artistenfamilie und wurde zu einem wichtigen Vertreter des Deutschen Ausdruckstanzes und der Tanzpantomime. Er ließ sich zunächst an der Kunstgewerbeschule in Dresden als Modezeichner/ Kostümbildner ausbilden, machte dann eine Ballettausbildung in Leipzig und besuchte abends Tanzaufführungen, deren Eindrücke er im dunklen Zuschauerraum skizzierte und am nächsten Tag ins Reine zeichnete. Eines Tages sah er eine Aufführung von Mary Wigman. Dazu schrieb er: „Schon nach den ersten Schritten, den ersten Schwüngen, mit denen diese Tänzerin den Raum durchteilte, sank mir die Hand mit dem Zeichenstift herunter. Hier gab es nichts zu beobachten und kühl und säuberlich festzuhalten. Was wir alle im Zuschauerraum mit angehaltenem Atem erlebten, das war eine ganz neue Gewalt… weiter unten schreibt er: Eines Tages entstanden aus Draht geformte Plastiken, die viel Schwung und Dynamik hatten. Und als ich dann nach Wochen meine „Werke“ einmal vor mir aufstellte, da wußte ich plötzlich, daß das der Ausdruck meines Erlebnisses beim Tanzabend der Wigman war. Und weiter heißt es: […] machte ich mich daher eines Tages auf und wanderte zu ihrer Wohnung. Unter dem Arm hatte ich einen Schuhkarton […] in dem Schuhkarton befanden sich einige meiner Drahtplastiken. Ich mußte ja einen Grund haben, zur Meisterin vorzudringen und so kam ich auf den Gedanken, daß diese bewegten Figuren, zu denen sie ja die Anregung gegeben hatte, sie vielleicht interessieren könnten. Und siehe da, Frau Wigman sagte, ein Mensch mit so viel Formgefühl, wie es die Plastiken zeigten, müsste doch auch verstehen, sich im Raum zu bewegen.“tanzdrama 21,1992, S. 5. 1921 wurde er zunächst Laienschüler von Mary Wigman und Berthe Trümpy. Er trat zunächst am Opernhaus in Hannover unter der Leitung von Max Terpis auf, der ihn 1923 an die „Staatsoper Berlin“ holte, wo er mit Don Morte zum ersten Solisten avancierte und innerhalb von drei Jahren (1924-1926) zu einem außergewöhnlichen Tänzer-Choreografen wurde, dessen Werke sich ca. 30 Jahre lang erhalten konnten. Von diesem Zeitpunkt an ist der Pianist Friedrich Wilckens sein Begleiter und Komponist seiner Tänze. „Kreutzbergs Ästhetik bestand in einer Kombination von Ausdruckstanz, Tanzpantomime und ausdrucksstarken Kostümen und Masken, die er zumeist allein gestaltete. Kreutzberg entwarf seine Kostüme selbst. In den Skizzen dafür war oft schon so etwas wie die Bewegungslinien seiner Tanzfiguren zu erkennen. Als Material für seine Bekleidungen wählte er viel Ungewöhnliches wie Seile, Bastgeflecht, Strohmatten, gesponnenes Glas, Metallbänder etc. Häufig inspirierten ihn auch neue Werkstoffe zu neuen Tänzen, die er in diesen bemalten, applizierten und mit Intarsien versehenen Kostümen aufführte. Seine Themen waren sowohl tragische Allegorien als auch komische Grotesken.“Nele Lipp: „Lexikon zu Tanz und Bildender Kunst, Bd. 4, Tanz / Foto, Film, Neue Medien“ (unveröff. Manuskript) 1926 entdeckte ihn Max Reinhardt und verpflichtete ihn für die Salzburger Festspiele. Kreutzberg und Yvonne Georgi waren in den 1920er Jahren neben Clothilde von Derp und Alexander Sacharoff sehr bekannte Tanzpartner auf den Bühnen im In- und Ausland. Er tourte 1929 bis 1931 mit ihr, danach mit Ruth Page durch die USA. 1931 verließ er es und begann eine internationale Solokarriere. Kreutzberg setzte seine Künstlerkarriere während der NS-Zeit ohne Unterbrechung fort. 1933 wurde er von den Nationalsozialisten zum offiziellen Vertreter der deutschen Kultur gewählt, 1934 begab er sich mit der amerikanischen Tänzerin Ruth Page auf Welttournee über Hawaii, Japan, Shanghai bis nach Wladiwostok. 1936 nahm er an den Olympischen Spielen teil. 1944 wurde er als Soldat rekrutiert. Nach dem Krieg tourte er mit seinen Soli durch Nord- und Südamerika; einige Jahre später tanzte er in Israel. 1956 tanzte er, zusammen mit Dore Hoyer in Athen. 1955 eröffnete er, zusammen mit Hilde Baumann in Bern eine Tanzschule. Seine Tourneen beendete er 1959. (Gabriele Wittmann/Nele Lipp)Lebensstationen
- 1921
Schüler von Mary Wigman
Beginn der Ausbildung bei Mary Wigman und Berthe Trümpy.
- 1923
Staatsoper Berlin
Engagement an der Staatsoper Berlin durch Max Terpis.
- 1924–1926
Erster Solist
Aufstieg zum außergewöhnlichen Tänzer und Choreografen.
- 1926
Salzburger Festspiele
Verpflichtung durch Max Reinhardt für die Salzburger Festspiele.
- 1931
Internationale Solokarriere
Beginn einer internationalen Solokarriere.
- 1955
Tanzschule in Bern
Eröffnung einer Tanzschule in Bern zusammen mit Hilde Baumann.
- 1959
Ende der Tourneen
Beendigung seiner Tourneetätigkeit.
Choreografien
- 1954 Gespräch mit dem Tod
- 1954 Requiem für die Lebenden/vivas-in-pace
- 1953 Walpurgisnacht (Harald Kreutzberg)
- 1952 Engel des Schweigens (Harald Kreutzberg)
- 1950 Aus der großen Stadt (Harald Kreutzberg)
- 1948 – 1952 Tänze und Gestalten (u.a. Tänze vor Gott, Hiob hadert mit Gott, Drei irre Gestalten und Li-Tai-Pe, Till Eulenspiegel)
- 1948 Hiob hadert mit Gott (Harald Kreutzberg)
- 1946 Der Engel Luzifer
- 1945 Seliger Walzer (Harald Kreutzberg)
- 1945 Hiob hadert mit Gott
- 1943 Auschnitt aus Paracelsus (Harald Kreutzberg)
- 1943 Paracelsus, Pabst (Harald Kreutzberg)
- 1942 Seliger Walzer
- 1941 Phantastischer Walzer (Harald Kreutzberg)
- 1940 Sternenlied
- 1938 Der ewige Kreis (Harald Kreutzberg)
- 1936 Waffentanz bei der Olympischen Jugend
- 1936 Aus einem alten Kalender (Frühling, Sommer, Herbst, Winter)
- 1932 Die neidischen Mädchen
- 1932 The Angel of Fate
- 1931 Nächtliche Habanera
- 1931 L’Amour
- 1931 Orpheus klagt um Eurydike
- 1931 Planeten (nach d. Synfonie von Gustav Holst)
- 1930 Karusselfahrt
- 1929 Engel der Verkündigung (Harald Kreutzberg)
- 1929 Spielerei
- 1928 Engel des Jüngsten Gerichts (Harald Kreutzberg)
- 1927 Puck in: Sommernachtstraum (Regie Max Reinhardt)
- 1927 Engel der Verkündigung
- 1926 Drei irre Gestalten (Harald Kreutzberg)
- 1926 Hofnarr in: Don Morte (nach Edgar Allan Poe, Regie Max Terpis)
- 1926 Zeremonienmeister in: Turandot (Regie Max Reinhardt)
- 1924 Tanz der Angst, Tanz des Hofnarren, Tanz des Zeremonienmeisters in: Die Nächtlichen
- 1923 Trommelspuk
- Fantastischer Walzer (Harald Kreutzberg)
- Improvisation mit Schatten (Harald Kreutzberg)
- Seliger Walzer (Harald Kreutzberg)
- Tanz mit Blume (Harald Kreutzberg)
Filme und Dokumente
Mary Wigman
1966
Literatur und Weblinks
- Hagelstange, Rudolf: „Die schwindende Spur“ (Gedichte für Harald Kreutzberg), Starnberg 1961.
- Kreutzberg, Harald: „…über mich selbst“, Detmold 1938.
- Kreutzberg, Harald: „Die Schicksalsstunde“, in: tanzdrama 21/92.
- Peter, Frank-Manuel: „Der Tänzer Harald Kreutzberg“, Berlin 1997.
- Peter, Frank-Manuel, Hardt, Yvonne et. al.: „Yvonne Georgi. Tagebuch und Dokumente zu Tanztourneen mit Harald Kreutzberg (1929–1931)“, Köln 2019.
- Pirchan, Emil: „Harald Kreutzberg. Sein Leben und seine Tänze“, Wien 1941, 1950, 1956. (Mit Zeichnungen von Kreutzberg)
- Pirchan, Emil: „Das Kreutzbergbuch“, Wien, Stuttgart, 1956.
- Wille, Hansjürgen: „Harald Kreutzberg – Yvonne Georgi“, Leipzig 1930.
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