Biografie
Cranko erhielt seine Ballettausbildung an der Universität Kapstadt und in London an der „Sadler’s Wells School“ und wurde Mitglied des „Sadler’s Wells Theatre Ballet“, wo er 1946 in der Kompanie tanzte und später zum „Royal Ballet“ wechselte. Ab 1948 entwickelte er sich in England vom Tänzer zum Choreografen, schuf 1957 mit „Der Pagodenprinz“ sein erstes abendfüllendes Ballett und wurde 1961 zum Direktor des Stuttgarter Balletts berufen, dem er, obwohl noch weitgehend unbekannt, mit seinen abendfüllenden Stücken erstaunlich schnell zu nationalem und internationalem Ruhm verhalf.
Cranko gestaltete viele erfolgreiche Spielzeiten in Stuttgart: Angefangen mit kleinen Stücken für Tänzerinnen und Tänzer wie Marcia Haydée, Egon Madsen, Richard Cragun und Birgit Keil wechselte er zu abendfüllenden Balletten wie „Romeo und Julia“, „Onegin“, „Schwanensee“ oder dem humoristischen „Der Widerspenstigen Zähmung“, „Carmen“ und „Spuren“, die rund um den Globus tourten und ab 1969 als „Stuttgarter Ballettwunder“ bezeichnet wurden. Ab 1968 choreographierte er auch für das Ballett der Bayerischen Staatsoper, für London, für das Ballett der Opéra de Paris und für die Metropolitan Opera New York.
Crankos neoklassizistische Handlungsballette haben klare dramatische Strukturen. Sie zeigen seine besondere Meisterschaft in der Choreographie des Pas de deux und sein großes Talent für Lyrik, Komik und psychologisches Feingefühl.
1971 gründete er in Stuttgart die John-Cranko-Schule, eine Ballettschule mit Internat. Heute ist sie die Ballettschule der Württembergischen Staatstheater, Berufsfachschule und Staatliche Ballettakademie. Cranko ermutigte junge Tänzer wie Jiri Kyliàn und John Neumeier, zu choreografieren.
1975 wurde die John-Cranko-Gesellschaft zur Pflege des Wissens über das Ballett und insbesondere über sein Werk gegründet. Sie vergibt in unregelmäßigen Abständen den „John-Cranko-Preis“. Seine Ballette werden in der „Benesh Movement Notation“ aufgezeichnet und von der Ballettmeisterin Georgette Tsinguirides an nachfolgende Tänzergenerationen weitergegeben. (Gabriele Wittmann/Nele Lipp)
Lebensstationen
- 1927
Geburt in Rustenburg
John Cranko wird am 15. August 1927 in Südafrika geboren.
- 1946
Sadler’s Wells Theatre Ballet
Er tanzt in der Londoner Kompanie und wechselt später zum Royal Ballet.
- 1948
Beginn als Choreograf
In England entwickelt er sich vom Tänzer zum Choreografen.
- 1957
Der Pagodenprinz
Sein erstes abendfüllendes Ballett entsteht.
- 1961
Direktor in Stuttgart
Cranko wird zum Direktor des Stuttgarter Balletts berufen.
- 1969
Stuttgarter Ballettwunder
Die internationalen Erfolge der Kompanie werden unter diesem Namen bekannt.
- 1971
John-Cranko-Schule
Gründung der Ballettschule mit Internat in Stuttgart.
- 1973
Tod auf dem Rückflug
John Cranko stirbt am 26. Juni 1973 auf einem Rückflug aus den USA.
Ausgewählte Bühnenwerke
Romeo und Julia
1962 Choreografie von John Cranko
Choreografien
- 1973 Spuren (John Cranko)
- 1972 Initialen R.B.M.E. (John Cranko)
- 1971 Carmen (John Cranko)
- 1970 Brouillards (John Cranko)
- 1970 Poeme de l’extase (John Cranko)
- 1969 Der Widerspenstigen Zähmung (John Cranko)
- 1968 Fragmente (John Cranko)
- 1968 Begegnungen in drei Farben (John Cranko)
- 1968 Presence (John Cranko)
- 1967 Die Befragung (John Cranko)
- 1966 Konzert für Flöte und Harfe (John Cranko)
- 1965 Onegin (John Cranko)
- 1965 Opus 1 (John Cranko)
- 1965 Jeu de cartes (John Cranko)
- 1964 Der Feuervogel (John Cranko)
- 1963 L´Estro Armonico (John Cranko)
- 1962 Romeo und Julia (John Cranko)
- 1961 Katalyse (John Cranko)
- 1959 Antigone (John Cranko)
- 1957 Der Pagodenprinz (John Cranko)
- 1954 The Lady and the Fool (John Cranko)
- 1951 Pineapple Poll (John Cranko)
- 1951 Harlequin in April (John Cranko)
- 1942 Geschichte vom Soldaten (John Cranko)
- Anna Karenina (John Cranko)
- Rondo (John Cranko)
Filme und Dokumente
Wie lange noch sterbender Schwan?
1972
Archivbilder






Menschen und Verbindungen

Egon Madsen
Cranko schuf Rollen für Egon Madsen und prägte dessen Laufbahn.

Richard Cragun
Richard Cragun gehörte zu den prägenden Tänzern der Kompanie.

Jiří Kylián
Cranko ermutigte Jiří Kylián, selbst zu choreografieren.

John Neumeier
Cranko ermutigte John Neumeier, selbst zu choreografieren.
Literatur und Weblinks
- Aders, Thomas: Seelentanz. John Cranko und das Wunder des Balletts. Books on Demand, Norderstedt 2020. Es erschien im gleichen Jahr in 27 Episoden als Podcast.
- Haydée, Marcia: John Cranko, Stuttgart 1973.
- Kilian, Hannes / Geitel, Klaus: John Cranko. Ballett für die Welt. Thorbecke, Sigmaringen 1977.
- Percival, John: John Cranko. Biographie, Belser, Stuttgart/Zürich 1985.
- Schmidt, Jochen: „John Cranko“, in ders.: Tanzgeschichte des 20. Jahrhunderts in einem Band mit 101 Choreografenporträts, Berlin 2002, S. 117–119.
- Wiedmann, Susanne: Georgette Tsinguirides. Ein Leben für John Cranko und das Stuttgarter Ballett, Tübingen 2015.
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