Dore Hoyer

Personen · Tanzlexikon

Dore Hoyer

Tänzerin, Choreografin und Ballettmeisterin

*1911 in Dresden, †1967 in West-Berlin

Hoyer machte eine Ausbildung zur Gymnastiklehrerin in Dresden, an einer Zweigstelle der Schule Hellerau-Laxenburg, in der „Schöpferische Selbstgestaltung“ auf dem Lehrplan stand.

41Choreografien
2Filme
5Videosequenzen
1Archivbilder

Biografie

Hoyer machte eine Ausbildung zur Gymnastiklehrerin in Dresden, an einer Zweigstelle der Schule Hellerau-Laxenburg, in der „Schöpferische Selbstgestaltung“ auf dem Lehrplan stand. Mit ihrer Lehrerin, Ilse Homilius erarbeitete sie gemeinsame Auftritte. 1930/1931 machte sie eine zusätzliche Ausbildung an der 1924 gegründeten „Palucca-Schule“. Dort lehrte Gret Palucca ihre persönliche Form des Ausdruckstanzes. Sie hatte in Dresden Freunde in der linkspolitischen Dresdner Kunstszene. 1931 wurde sie Solistin in Plauen. Da sie dort und auch, darauffolgend, am „Oldenburgischem Landestheater“ nur in Operetten tanzen durfte, sah sie sich nach tänzerisch anspruchsvolleren Auftrittsmöglichkeiten um. 1933 gab sie ihren ersten Tanzabend zu Musik ihres Lebensgefährten Peter Cieslak (†1935 ) mit eigenen Choreografien. Mit der Gruppe von Mary Wigman tanzte und tourte sie 1935 bis 1936, bis zu deren Auflösung. 1939 trat sie der „Deutschen Tanzbühne Dresden“ bei und wurde nach zwei Jahren als Solistin am „Theater des Volkes“ engagiert. 1945 übernahm sie die ehemalige „Wigman – Schule“ in Dresden, nannte sie D.-H.-Studio und baute eine eigene Tanzgruppe auf, mit der sie in deren Todesjahr den dramatischen Tanzzyklus „Tänze für Käthe Kollwitz“ choreografierte. „Der Zyklus gliederte sich in sechs Teile, deren Inspirationsquellen in Radierungen und Holzschnitten der Kollwitz lagen. Einige Teile trugen gleiche Titel wie die entsprechenden Bilder, so ‚Carmagnole‘, der ‚Tanz um die Guillotine‘ (1901), ‚Inspiration‘ (1902) und ‚Losbruch‘ aus der Folge ‚Bauernkrieg‘ (1903). Im Programmheft zu dieser Aufführung schrieb der Essayist, Dramatiker und Tanzkritiker Egon Vietta (1903-1959), dass er an beiden Künstlerinnen den gleichen Wahrheitswillen, die gleiche Lust an der schonungslosen Aussage und die gleiche zornige Bereitschaft erblicke, auf die wirkliche menschliche Schicht zu stoßen.“Lipp, Nele: Lexikon zu Tanz und Bildender Kunst, Bd. 1, Tanz und Bild. (unveröff. Manuskript) 1949 bis 1951 war sie Ballettmeisterin an der Hamburger Staatsoper. Im Bereich ihrer extrem dramatischen Aussagen wird sie mit Franz Kafka und Samuel Beckett verglichen und ihre Arbeit als existenzialistische Kunst zitiert Garnet Schuld-Hiddemann: „Ganz oder gar nicht: Dore Hoyer“, in: Soyka 2004, S. 240 und 243.. Ihre Tänze sind streng komponiert und bis ins kleinste Detail durchgeformt und voller Energie. Ihre Erfolge in der Nachkriegszeit erzielte sie auf Tourneen nach Südamerika, nicht in Deutschland. Hoyer wurde durch ihre Soli, wie zum Beispiel die der „Affectos Humanos“, berühmt, in denen die Emotionen Eitelkeit, Begierde, Hass, Angst und Liebe thematisierte. Erst ab Ende der 70er Jahre wird ihre Arbeit in Deutschland über die Tänzer und Choreografen Gerhard Bohner, Susanne Linke und Arila Siegert sowie durch die raumgreifenden Skulpturen der deutschen Bildhauerin Gerlinde Beck wieder entdeckt. Hoyer gehört zu den wichtigsten Solistinnen des modernen Tanzes. Sie starb 1967 durch Suizid, da sie zu Lebzeiten wenig erfolgreich war und, bedingt durch einen Autounfall und daraus folgendem Knieleiden, nicht mehr tanzen konnte. Hoyer erhielt den Deutschen Kritikerpreis. (Gabriele Wittmann/Nele Lipp)

Lebensstationen

  1. 1930–1931

    Palucca-Schule

    Zusätzliche Ausbildung an der Palucca-Schule in Dresden.

  2. 1931

    Solistin in Plauen

    Erstes Engagement als Solistin in Plauen.

  3. 1933

    Erster Tanzabend

    Erster eigener Tanzabend mit Choreografien zu Musik von Peter Cieslak.

  4. 1935–1936

    Gruppe Mary Wigman

    Tanz und Tourneen mit der Gruppe von Mary Wigman.

  5. 1945

    D.-H.-Studio Dresden

    Übernahme der ehemaligen Wigman-Schule und Aufbau einer eigenen Tanzgruppe.

  6. 1949–1951

    Hamburger Staatsoper

    Ballettmeisterin an der Hamburger Staatsoper.

  7. 1967

    Tod

    Dore Hoyer stirbt 1967.

Choreografien

  • 1967 Asien-Suite
  • 1966 Großstadt
  • 1965 Nocturno‚
  • 1964 Androclus und der Löwe
  • 1962 Affectos humanos (Dore Hoyer)
  • 1961 La Idea
  • 1958 Mosaico
  • 1957 Kinder ihrer Erde
  • 1956 Auf schwarzem Grund (Dore Hoyer)
  • 1956 Mit Trommel und Gong
  • 1955 Zwischen gestern und morgen
  • 1954 Dämon Maschine
  • 1954 Raum atmen
  • 1954 Südamerikanische Reise (Dore Hoyer)
  • 1953 Südliche Impressionen
  • 1952 Johanna auf dem Scheiterhaufen
  • 1952 Maria Magdalena
  • 1951 Kontraste
  • 1951 Sonate für 2 Klaviere und ein Schlagzeug
  • 1950 Der Fremde
  • 1949 Lyrik
  • 1948 Der große Gesang (Dore Hoyer)
  • 1948 Es war ein Bursche und sein Mädchen
  • 1948 Gesichte unserer Zeit
  • 1947 Gesichte
  • 1947 Mütter
  • 1947 Rebellion
  • 1947 Schießbude
  • 1946 Tänze für Käthe Kollwitz (Dore Hoyer)
  • 1945 Drehtanz
  • 1944 Amazone
  • 1944 Der Geliebten
  • 1938 Enge der Großstadt
  • 1938 Schrei
  • 1938 Tänze der Verlorenheit I-III
  • 1935 Fünf namenlose Tänze
  • 1935 Sieben Gesichte
  • 1933 Afrikanisches Kriegerlied
  • 1933 Tanz in Schwarz
  • 1933 Tanz in Weiß
  • 1933 Masken (Dore Hoyer)

Filme und Dokumente

Kein Bild

Dore Hoyer tanzt: Affectos Humanos

1967

Kein Bild

Mary Wigman

1966

Literatur und Weblinks

  • Junghans, Kurt: Dore Hoyer – Tanz im Geist der ASSO. In: Bildende Kunst, Berlin, 5/81, S. 226-227-
  • Müller Hedwig / Peter, Frank-Manuel / Schuldt-Hiddemann, Garnet: Dore Hoyer. Tänzerin, Berlin 1992.
  • Pehnt, Wolfgang: The Total Artwork in Expressionism – Art, Film, Literature, Theatre, Dance and Architecture 1905-1925, Ostfildern 2011.
  • Rudin, Alexander: Hoyer, Dore. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 9, Duncker & Humblot, Berlin 1972, S. 667.
  • Schuldt-Hiddemann, Garnet: „Ganz oder gar nicht – Dore Hoyer“, in: Soyka, Amelie (Hg.): Tanzen und tanzen und nichts als tanzen. Tänzerinnen der Moderne von Josephine Baker bis Mary Wigman. Berlin 2004.

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