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Biografie
Gert, die schon als Kind gern getanzt und gemimt hatte, machte eine Ausbildung zur Schauspielerin. Während des Ersten Weltkriegs trat sie einer Tanztruppe bei und schuf ihre ersten Tanzsatiren. Sie spielte eine Zeit lang erfolgreich exzentrische Rollen am damaligen experimentellen „Deutschen Theater“ in Berlin. Die Arme schwingen wie ein riesiges Pendel, die Hände sind weit gespreizt, das Gesicht zieht Grimassen: Die Tänzerin, Choreografin und Schauspielerin Valeska Gert traf in den 1920er Jahren den Nerv der Zeit, als sie mit ihren frechen, kurzen Soli auf Tournee ging. „Eine dolle Nummer, eine hervorragende Tänzerin, eine außerordentliche Frau.“ Kurt Tucholsky. Zitat nach: [https://de.wikipedia.org/wiki/Valeska_Gert Wikipedia] „Ihr Herz ist ein oppositionelles Organ. Man findet sie ‚„herrschsüchtig‘ und sprunghaft. […] Dem Publikum begegnet sie als Schrittmacherin der Zukunft. Konsequent verweigert sie sich der gymnastischen Konfektionsware elastischer Bubikopferotik. Nichts von der Stange kommt in ihre Kunsttüte.“ Jamal Tuschick in „Textland Festival – Politik im freien Theater“, 2022 Gert tanzte daneben auch für Avantgarde-Fotografen wie Lili Baruch, Suse Byk, Lotte Jacobi, Erna Lendvai-Dircksen, Elli Marcus, Otto Umkehr und Man Ray (eigentlich Ray Man). Gert, eine der bekanntesten Tänzerinnen der Weimarer Republik, war neben ihren grotesken und satirischen Bühnenauftritten, in denen sie sich für gesellschaftlich geächtete Randgruppen einsetzte, Darstellerin in Stummfilmen wie 1925 in „Die freudlose Gasse“ von Georg Wilhelm Pabst und 1928 in „Alraune“ von Henrik Galeen sowie in Tonfilmen wie 1931 in „Die Dreigroschenoper von Pabst, 1965 in „Julia und die Geister“ von Federico Fellini und 1976 in „Der Fangschuss“ von Volker Schlöndorff. Da die Jüdin von den Nationalsozialisten verfolgt wurde, emigrierte sie 1938 in die USA, wo sie einen Nachtclub in New York eröffnete. 1947, zurück in Europa, führte sie Kabaretts wie den „Ziegenstall“ auf der Insel Sylt, um jungen Talenten Auftrittsmöglichkeiten zu geben. Sie trat weiterhin als Schauspielerin in Filmen von Regisseuren wie Federico Fellini oder Volker Schlöndorff auf. Ihr ganzes Leben lang tanzte sie ihr berühmtestes Solo „Canaille“, in dem sie die sexuellen Bewegungen einer ausgebeuteten Hure zeigte. 1970 erhielt sie das „Filmband in Gold“ für langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film. 2006 wurde die „Valeska-Gert-Gastprofessur für Tanz und Performance“ an der „Freien Universität“ in Berlin eingerichtet. Ihr Nachlass befindet sich im Archiv der Akademie der Künste in Berlin. Doch auch die Theaterwissenschaftliche Sammlung der Universität Köln und das Deutsche Tanzarchiv in Köln besitzen wichtige Dokumente. Das Sylter Heimatmuseum in Keitum hat eine Dauerausstellung mit dem Titel „Ziegenstall“. (Gabriele Wittmann/Nele Lipp)Lebensstationen
- Erster Weltkrieg
Erste Tanzsatiren
Eintritt in eine Tanztruppe und Entwicklung erster Tanzsatiren.
- 1920er Jahre
Solotourneen
Tourneen mit kurzen, grotesken und satirischen Soli.
- 1925
Die freudlose Gasse
Mitwirkung im Stummfilm „Die freudlose Gasse“ von Georg Wilhelm Pabst.
- 1938
Emigration in die USA
Emigration in die USA und Eröffnung eines Nachtclubs in New York.
- 1947
Rückkehr nach Europa
Kabarettarbeit, unter anderem mit dem „Ziegenstall“ auf Sylt.
- 1970
Filmband in Gold
Auszeichnung für langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film.
Choreografien
- Nach 1945:
- Die KZ-Kommandeuse Ilse Koch
- Das Mannequin von Grieneisen
- Der Remigrant
- Der Jubler
- Die Ratte
- Nach der Atomkatastrophe
- 1940-1946 in New York:
- Pianist
- Alte Jungfer
- Die Mondäne
- Heuchlerin
- Die Nachtclubsängerin
- Mörderseele
- 1931 Japanisches theater
- 1931 Schriftsteller
- 1931 Zauberer
- 1930 Schlafwandlerin
- 1930 Kummerlied
- 1929 Tragödie
- 1929 Operette
- 1927 Nervosität
- 1927 Boxen
- 1926 Gruß aus dem Mumienkeller
- 1926 Verkehr
- 1924 Laster
- 1924 Sport
- 1922 Alt Paris
- 1922 Clown
- 1922 Negertanz
- 1922 Der Tod
- 1921 Kino
- 1920 Die Kupplerin
- 1919 Alt Wien
- 1919 Canaille
- 1919 Ballett
- 1919 Fromme Helene
- 1917 Japanische Groteske
- 1916 Tanz in Orange
- Valesca in gepunktetem Kleid (Valeska Gert)
- Die freudlose Gasse (Valeska Gert)
Literatur und Weblinks
- Foellmer, Susanne: Valeska Gert. Fragmente einer Avantgardistin in Tanz und Schauspiel der 1920er Jahre; Bielefeld 2006.
- Gert, Valeska: Mein Weg, Leipzig 1931.
- Gert, Valeska: Die Bettlerbar von New York, Berlin 1950.
- Gert, Valeska: Ich bin eine Hexe. München 1968.
- Gert, Valeska: Die Katze von Kampen, Percha 1974.
- Gert, Valeska: Ein Leben in Tanz, Film und Kabarett, Berlin 2012
- Hildenbrandt, Fred: Die Tänzerin Valeska Gert, Stuttgart 1928.
- Kotowski, Elke-Vera: Valeska Gert. Ein Leben in Tanz, Film und Kabarett, Berlin 2012.
- Müller Hedwig: Valeska Gert: Tanz Fotografien. Theatererkundungen #2, Köln 2013.
- Müller, Wolfgang: Valeska Gert. Ästhetik der Präsenzen, Berlin 2010.
- Müller, Siegfried: Valeska Gert: Von Berlin bis Kampen auf Sylt, Berlin 2022.
- Peter, Frank-Manuel: Valeska Gert: Tänzerin, Schauspielerin und Kabarettistin. Eine dokumentarische Biographie, Berlin 1985/1987.
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