Tatjana Gsovsky

Personen · Tanzlexikon

Tatjana Gsovsky

Tänzerin; Choreografin; Ballettdirektorin und Pädagogin

*1901 in Moskau (Russland), †1993 in Berlin (Deutschland); Deutsche Staatsoper Berlin Unter den Linden

Tatjana Gsovsky wurde als Tochter einer Schauspielerin in Moskau geboren.

35Choreografien
1Filme
9Videosequenzen
1Archivbilder

Biografie

Tatjana Gsovsky wurde als Tochter einer Schauspielerin in Moskau geboren. In St. Petersburg ausgebildet, studierte im Isadora Duncan Studio in Petrogard (später Leningrad), später bei Novikov, Matyatin, Kirsanova. Nach der Revolution wurde sie Ballettmeisterin in Krasnodar, wo sie den Tänzer und Lehrer Victor Gsovsky heiratete. gemeinsam flohen sie 1923 nach Berlin und eröffneten dort eine Schule. 1937 musste Victor Gsowsky Deutschland verlassen. Tatjana bieb unter den Nationalsozialisten in Berlin und unterrichtet an den „Deutschen Meisterstätten für Tanz“ in Berlin und choreografiert für die unter Joseph Goebbels propagandistisch arbeitende „Tobias-Filmkunst GmbH“. Ab 1945 leitete Tatjana Gsovsky mehrere Ballettkompanien – am Theater Colon in Buenos Aires, an der Deutschen Staatsoper sowie der Oper Frankfurt am Main. „1945 bis 1951 war sie unter dem Intendanten Ernst Legal 1881-1955, Legal war auf der „Gottbegnadeten Liste“ Adolf Hitlers. Ballettmeisterin an der „Deutschen Staatsoper Berlin“ und baute in der Nachkriegszeit das „Berliner Staatsballett“ neu auf. Nach einem kurzen Intermezzo in Buenos Aires (wegen des Formalismus – Vorwurfs in der Anfangszeit der DDR) war sie 1953 bis 1966 an der Deutschen Oper in Westberlin und ab 1959 zusätzlich an der Oper in Frankfurt am Main. 1955 gründete sie, gemeinsam mit dem Tänzer Gert Reinholm die Tourneetruppe „Berliner Ballett“, ein modernes Tanztheater auf klassischer Grundlage, mit der sie in ganz Europa gastierte. In ihren bildhaften Choreografien entwickelte sie eine außerordentliche Vorliebe für Gruppierungen und plastisch – artistische Posen. Sie verband technisch das Klassische Ballettvokabular mit Elementen aus dem Ausdruckstanz und Erkenntnissen der psychologischen Forschung. Gsovsky ließ auf Knien und am Boden tanzen und arbeitete gern mir diagonalen Kompositionen. Ihr Starinterpret war Reinholm. Gsowsky war auch eine begabte Kostümbildnerin und schuf oft auch die Beleuchtungen für ihre Ballette, wie 1951 für Hamlet. Für Gsovsky schufen unter anderem der gesellschaftskritisch arbeitende Künstler George Grosz und der Maler Hein Heckroth Ballettausstattungen. Heckroth gab 1956 für Der Idiot, eine ihrer Choreografien mit dem Berliner Ballett, den Tänzern große Speichenreifen, die beim Tanzen mit bewegt werden mussten. Das Bühnenbild zur Uraufführung hatte der Opernregisseur, Kostüm- und Bühnenbildner Jean-Pierre Ponnelle (1932-1988) erstellt, der zahlreiche weitere Ausstattungen für sie schuf. Für ihre Ballette Abraxas (1959), Die sieben Todsünden (1960), Der sterbende Schwan (1961), Bolero (1962, nach der Choreografie von Michael Fokine), Undine (1962), Festliche Ouvertüre (1963), Carmina Burana (1963), Les Noces (1964) und Joan von Zarissa (1965) schuf ebenfalls Heckroth die Bühnengestaltungen.“ aus: Nele Lipp: „Lexikon zu Tanz und Bildender Kunst, Bd. 2 Tanz und Skulptur“, unveröff. Manuskript). Gsowsky kooperierte sie mit Komponisten der Avantgarde wie Hans Werner Henze für „Der Idiot“ 1952 und Luigi Nono für „Der rote Mantel“ 1954. Sie wurde unter anderem 1954 mit dem „Kunstpreis Berlin“ der „Akademie der Künste/Sektion Darstellende Kunst“, 1963 mit dem „Serge-Diaghilev-Preis“ des „Internationalen Instituts für Choreografie“ in Paris, und 1983 zusammen mit Gret Palucca mit dem „Deutschen Tanzpreis“ ausgezeichnet. (Gabriele Wittmann/Nele Lipp)

Lebensstationen

  1. 1923

    Flucht nach Berlin

    Flucht nach Berlin und Eröffnung einer Schule zusammen mit Victor Gsovsky.

  2. 1945–1951

    Deutsche Staatsoper Berlin

    Ballettmeisterin und Neuaufbau des Berliner Staatsballetts.

  3. 1953–1966

    Deutsche Oper Berlin

    Tätigkeit an der Deutschen Oper in Westberlin.

  4. 1955

    Berliner Ballett

    Gründung der Tourneetruppe Berliner Ballett mit Gert Reinholm.

  5. 1959

    Oper Frankfurt

    Zusätzliche Arbeit an der Oper Frankfurt am Main.

  6. 1983

    Deutscher Tanzpreis

    Auszeichnung mit dem Deutschen Tanzpreis zusammen mit Gret Palucca.

Choreografien

  • 1975 Raymonda
  • 1968 Die Trauung (nach W. Gombrowicz)
  • 1968 Joan von Zarissa
  • 1968 Capriccio
  • 1965 Tristan (Tatjana Gsovsky)
  • 1964 Les Noces
  • 1963 Festliche Overtüre
  • 1963 Carmina Burana
  • 1962 Hamlet (Tatjana Gsovsky)
  • 1962 Image Chorégraphique (David Lichine)
  • 1962 In der Strafkolonie (nach F. Kafka)
  • 1962 Bolero
  • 1962 Undine
  • 1961 der sterbende Schwan
  • 1960 Die sieben Todsünden
  • 1959 Abraxas
  • 1958 Medusa
  • 1958 Menagerie
  • 1955 Signale (Tatjana Gsovsky)
  • 1954 Der rote Mantel (Tatjana Gsovsky)
  • 1953 Die Chinesische Nachtigall (Tatjana Gsovsky)
  • 1953 Trionfi di Aphrodite
  • 1952 Der Idiot (u.a. mit Klaus Kinski))
  • 1951 Apollon musagète
  • 1950 Hamlet (Tatjana Gsovsky)
  • 1949 Don Quixote (Tatjana Gsovsky)
  • 1949 Dornröschen (Tatjana Gsovsky)
  • 1946 Petruschka (Tatjana Gsovsky)
  • 1946 Bolero (Tatjana Gsovsky)
  • 1944 Prinzessin Turandot (Tatjana Gsovsky)
  • 1944 Turandot (Tatjana Gsovsky)
  • 1943 Catulli Carmina (Tatjana Gsovsky)
  • 1942 Romeo und Julia (Tatjana Gsovsky)
  • 1940 Goyescas (nach Gemälden Goyas, danach ein kurzes Berufsverbot durch die Nationalsozialisten)
  • 1937 (ca.) Aufmärsche der Nationalsozialisten (Tatjana Gsovsky)

Filme und Dokumente

Kein Bild

Tatjana Gsovsky

1962

Literatur und Weblinks

  • Busch, Max W: Tatjana Gsovsky – Choreographin und Tanzpädagogin. (Hg.: Akademie der Künste), Berlin 2005.
  • Heuermann: „Tatjana“. Leben und Werk der Choreographin und Pädagogin Tatjana Gsovsky., München 2007.

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