Über das Werk
Choreographie: Pina Bausch. Premiereensemble: Tanztheater Wuppertal (Tanztheater Wuppertal), 1975
Die Bühne gleicht am Schluss einem aufgewühlten Kampfplatz: In „Le Sacre du printemps“ (auch „Frühlingsopfer“ genannt) zur gleichnamigen Komposition von Igor Strawinsky vollzieht sich auf dem mit Erde bedeckten Bühnenboden ein brutales Ritual: die Opferung einer jungen Frau durch eine Männergruppe. Deren Anführer wählt sie aus nach einem gemeinsamen Gruppenritual der Erdanbetung und einer grausam langgezogenen Selektion, die deutlich macht, dass jede Frau nur Objekt in dieser patriarchal organisierten Gesellschaft ist und jederzeit deren Opfer sein könnte. Die letztlich Auserwählte muss nun das rote Kleid tragen und sich darin, inmitten des halbkreisförmig um sie gruppierten Ensembles, zu Tode tanzen. Diese Opferung ist ein emotional hochgepeitschter, physisch herausfordernder Akt Tanz, der auf den Körpern aller Tänzer seine Spuren hinterlässt: Die Erde klebt an Armen, Beinen, im Gesicht. Das 1975 entstandene Ballett markiert einen Wendepunkt im Œuvre Pina Bauschs, das sich danach zunehmend in Richtung Tanztheater entwickelt hat. (Klaus Kieser)
Menschen und Verbindungen

Pina Bausch
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