Aurel von Milloss

Personen · Tanzlexikon

Aurel von Milloss

Tänzer, Choreograf; Ballettdirektor

*1906 in Ozora, (Ungarn, heute Udzin in Serbien); †1988 in Rom (Italien)

Milloss (eigentlich Aurél von Milloss de Miholy) Milloss studierte neben Tanz auch Philosophie, Geschichte, Literatur und Bildende Kunst in Budapest.

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Biografie

Milloss (eigentlich Aurél von Milloss de Miholy) Milloss studierte neben Tanz auch Philosophie, Geschichte, Literatur und Bildende Kunst in Budapest. Begeistert vom Expressionismus, begann er 1926, nach seinen anderen Studien, eine Tanzausbildung an der Berliner Labanschule von Hertha Feist (1896-1990) und bei Victor Gsowsky in Berlin sowie eine klassische Ausbildung in Mailand und Turin unter anderem bei dem italienischen Tanzmeister Enrico Cecchetti. Auch der Tanz- und Musikwissenschaftler Curt Sachs (1881-1959, Autor von Eine Weltgeschichte des Tanzes, Berlin 1933) war einer seiner Lehrer. 1928 trat Milloss mit seiner ersten wichtigen Aufführung in Herwarth Waldens Berliner Kunstgalerie Der Sturm auf. Unter den Anwesenden waren Wassily Kandinsky, Oskar Schlemmer sowie Max Terpis, der Milloss später an das Berliner Staatsopernballett engagierte. 1932 bis 1934 war er Direktor des „Stadttheaters“ in Augsburg, 1934/1935 wurde er Ballettmeister in Düsseldorf. Auf der Flucht vor der Verfolgung durch die Nazis emigrierte er 1938 nach Italien, wo er bis 1945 als Direktor der Tanzabteilung am „Teatro Reale dell’Opera“ in Rom arbeitete. Er interessierte sich für den nicht-narrativen, konkreten Tanz und arbeitete in diesen Jahren mit verschiedenen Musikern seiner Zeit zusammen. In Kollaboration mit Goffredo Petrassi schuf er „Coro di morti“, mit Belá Bartok „Der wunderbare Mandarin“ und mit Luigi Dallapiccola „Marsia“. Er inszenierte auch Opern wie Alban Bergs legendären „Wozzeck“. Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete er international als Gastchoreograph und Leiter der Ballettkompanien in Mailand, Italien, Sao Paulo, Brasilien, und Palermo, Italien, dann von 1959 bis 1963 in Köln. „1961 richtete er in der „Staatlichen Hochschule für Musik Köln“, Abteilung Musikalisches Theater, das „Institut für Bühnentanz“ ein. Es bestand aus einer Fachschule für Bühnentänzer und einer Hochschule für künstlerischen Tanz mit einer Abteilung für Tanzwissenschaft.“[https://de.wikipedia.org/wiki/Aurel_von_Milloss Abruf 27.12.2022] 1963 bis 1966 arbeitete er an der „Wiener Staatsoper“, dann an der Mailänder Scala, am Opernhaus in Rom und 1971 bis 1974 wieder an der „Wiener Staatsoper“. „Milloss verband nach Erfahrungen mit der Tanzpantomime wie Jean Weidt in seinem späteren Werk Klassischen Tanz mit den Errungenschaften des Ausdruckstanzes. Er sah den Tanz immer im Zusammenhang mit den anderen Künsten, als eine Erscheinung der von ihm als Gesamtheit verstandenen Kultur, wobei der Tanz, seiner Meinung nach, mehr als die anderen Künste geeignet sei, alle Kunstformen zu integrieren und so arbeitete er immer wieder mit zeitgenössischen Bildenden Künstlern, auch abstrakt arbeitenden – zusammen, zum Beispiel mit Alexandre Benois, Adolphe Mouron Cassandre, Giuseppe Colonello, Felice Casorati, Giorgio de Chirico, Lucio Fontana, Joseph Fassbender, Lenor Fini, Renato Guttuso , Otto Herbert Hajek, Antoietta Raphaël Mafài, Giacomo Manzù und Gino Severini. Meistens bestanden diese Ausstattungen allerdings lediglich in Gemälden, die für die Bühne in monumentale Malerei umgesetzt wurden.Nele Lipp: Lexikon zu Tanz und Bildender Kunst, Bd. 1 Tanz und Bild (unveröff. Manuskript) Milloss war ein Liebhaber des Marionettenspiels, ein Tänzer mit expressiven Fähigkeiten und einem Hang zum Grotesk-Makabren. Er bewährte sich persönlich besonders in dunklen und grotesken Rollen, wurde eine der Schlüsselfiguren des modernen Tanzes in Italien und ein wichtiges Vorbild für Johann Kresnik. In Venedig gibt es eine Tanzbibliothek mit ca. 3.000 Dokumenten zum Tanz und Archiv einer Sammlung von Dokumenten der Arbeit des Choreografen Milloss: Fondo Milloss in der Fondazione Giorgio Cini in der Galleria di Palazzo Cini: Institute of Literature, Theatre and Opera, San Giorgio Maggiore. (Gabriele Wittmann/Nele Lipp)

Lebensstationen

  1. 1926

    Ausbildung in Berlin

    Beginn der Tanzausbildung an der Berliner Labanschule und bei Victor Gsovsky.

  2. 1928

    Erste wichtige Aufführung

    Auftritt in Herwarth Waldens Berliner Kunstgalerie Der Sturm.

  3. 1932–1934

    Stadttheater Augsburg

    Direktor des Stadttheaters Augsburg.

  4. 1938–1945

    Exil in Italien

    Direktor der Tanzabteilung am Teatro Reale dell’Opera in Rom.

  5. 1959–1963

    Köln

    Leitung und Arbeit in Köln; Aufbau des Instituts für Bühnentanz im Jahr 1961.

  6. 1963–1966

    Wiener Staatsoper

    Arbeit an der Wiener Staatsoper.

  7. 1971–1974

    Rückkehr nach Wien

    Erneute Tätigkeit an der Wiener Staatsoper.

Choreografien

  • 1974 Relazioni Fragili
  • 1973 Per Aspera
  • 1972 Icarus (Aurel von Milloss)
  • 1972 An die Zeiten
  • 1968 Estri
  • 1966 Orpheus verliert Eurydike
  • 1965 Die Einöde
  • 1964 Schwanensee
  • 1963 Die Geschöpfe des Prometheus (Aurel von Milloss)
  • 1963 Estro barbarico
  • 1960 Venezianisches Konzert (Bühne: Otto Herbert Hajek)
  • 1954 Passacaglia
  • 1951 Don Juan (Buehne: Adolphe Mouron Cassandre)
  • 1951 Melos
  • 1950 Chout (Kostüme Renato Guttuso)
  • 1948 Marsia
  • 1947 Le Portrait de Don Quichotte
  • 1947 La Folia die Orlando
  • 1941 Intermezzo ungherese
  • 1938 Der wunderbare Mandarin (Text: Melchior Lengyel, Musik: Béla Bartók, Bühne Enrico Prampolini)
  • 1933 Deutsche Tänze
  • Prometheus (Aurel von Milloss)

Filme und Dokumente

Kein Bild

Mary Wigman

1966

Literatur und Weblinks

  • Milloss, Aurel von: „Das Erbe des Expressionismus im Tanz. Relazione di base su danza“, Convegno Internazionale di Studi sull’Esspressionismo, Florenz 1964.
  • Milloss, Aurel von: „Theatertanz aristocrato e proletario“, in: Coreosofia, 1933.
  • Tommassini, Stefano / Olschki, Leo (Hg.): “Aurel M. Milloss, Coreosofia, scritti sulla danza”, Venedig 2002.
  • Morelli, Giovanni (Hg.): Creature di Prometeo. Il ballo teatrale; dal divertimento al dramma; studi offerti a Aurel M. Milloss. Festschrift für Aurel M. Milloss, Florenz 1996.
  • Veroli, Patrizia: „Milloss – Un Maestro della coreografia tra espressionismo e classicità“, Lucca 1996.
  • Wangenheim, Annette von: „Der wunderbare Mandarin. Von der Pantomime zum Tanztheater“, Stuttgart 1985. (Diss.)

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